Sind Menschen mit vermeidender Bindung "Monster"?

Couple sitting apart after a calm but difficult conversation

Solltest du deinen Partner diagnostizieren?

Wahrscheinlich nicht.

Bindungstheorie kann helfen, Beziehungsmuster besser zu verstehen.

Sie eignet sich jedoch deutlich weniger dazu, andere Menschen vorschnell zu etikettieren.

Nicht jede distanzierte Person ist vermeidend gebunden.

Nicht jede Person, die viel Bestätigung sucht, hat einen ängstlichen Bindungsstil.

Persönlichkeit, psychische Gesundheit, Lebenserfahrungen und Kommunikation spielen ebenfalls eine wichtige Rolle.

Bindungstheorie erklärt einen Teil des Bildes -- aber nicht das Ganze.


Wie solltest du Bindungstheorie tatsächlich nutzen?

Der sinnvollste Ausgangspunkt ist immer die Selbstreflexion.

Frag dich nicht zuerst:

„Was stimmt mit meinem Partner nicht?“

Sondern lieber:

  • Warum reagiere ich so?
  • Wovor habe ich Angst?
  • Welches Muster wiederholt sich in meinen Beziehungen?
  • Wie könnte ich beim nächsten Mal anders reagieren?

Genau dazu sollte Bindungstheorie ursprünglich dienen.


Sind Bindungsstile also real oder nur Ausreden?

Sie sind real.

Sie werden durch jahrzehntelange Forschung gestützt und gehören zu den wichtigsten Modellen, um enge Beziehungen besser zu verstehen.

Sie sind jedoch keine Ausrede.

Bindungsstile erklären Muster.

Sie nehmen niemandem die Verantwortung für das eigene Verhalten ab.

Der hilfreichste Blick auf Bindungsstile ist nicht der eines unveränderlichen Etiketts, sondern der einer Landkarte, die zeigt, wo du heute stehst und wie du dich weiterentwickeln kannst.


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